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Ohne Ehre kein Erfolg

Die Marke DFB ist nachhaltig beschädigt, weil ohne Ehre kein Erfolg. Das beschämende und ehrenlose Ausscheiden bei der Fußball-Weltmeisterschaft hat uns wieder einmal gezeigt, warum Hochmut vor dem Fall kommt .
Erinnern wir uns in diesem Zusammenhang auch an die ehemaligen DFB-Präsidenten Theo Zwanziger und Wolfgang Niersbach, die ein Strafverfahren wegen Steuerhinterziehung erwarten dürfen.

Sommermärchen

Was durfte ich alles im Sommermärchen 2006 erleben, als die Black Stars aus Ghana das Kickers-Stadion zu ihrem WM-Quartier erklärten? Als ehrenamtlicher Vorstand Sport war ich wochenlang mittendrin, statt nur dabei. Das Ghana-Trikot mit all den Autogrammen hängt noch immer hinter meinem Schreibtisch. Unvergessen, als die Stimmungskanone Samy Kuffour auf dem Trikot unterschreiben wollte und ich sagte: „Samy sorry, ich möchte nur Autogramme von wirklich großen Spielern.“ Die Ghana- und Bundesliga-Legende Anthony Yeboah stand lachend daneben und meinte: „Der Rudi nimmt nicht jeden!“ Da hatte er recht! Samy brachte während der WM kein Bein auf den Rasen. Anstatt sich seiner Ehre zu besinnen, fiel er durch Disziplinlosigkeiten auf.

„Vollgeblattert“

Egal wie es war und auch egal, wer vom DFB für das Sommermärchen Geld verschoben hat, wir hatten hier vor Ort jede Menge Arbeit und auch Spaß. Wir haben dank dem WM-Camp 2006 unsere Kickers am Leben erhalten, während sich irgendwo im FIFA-Dschungel, irgendwelche Funktionäre schamlos und ehrenlos die Taschen „vollgeblattert“ haben.

„… für meinen Präsidenten“

Von unseren aktuellen Nationalspielern möchte ich kein Trikot mit Autogrammen. Die Herren haben bereits vor der WM jedweden Ansatz von Stolz und Ehre vermissen lassen. Bester Beweis dafür war die Niederlage gegen Österreich! Wer noch einen Beleg benötigt, der betrachte sich dieses unverschämte Bild „… für meinen Präsidenten“.
Der viel gepriesenen Integration von Spielern mit Migrationshintergrund haben die Herren Özil und Gündogan einen Bärendienst erwiesen.
„Ja“, las und hörte ich, „das ist nicht so schlimm!“ Der Bundes-Jogi meinte gar, wir sollten es jetzt mal gut sein lassen, denn das Turnier sei lang und wir benötigen die beiden Spieler noch. Seither frage ich mich, ob vielleicht Nivea-Creme doch zu tief in die Haut eindringt?

„Die Mannschaft“ ein Gebilde ohne echte Typen

Der DFB hat seine aufwendige Kommunikationsstrategie „Die Mannschaft“ komplett in Sand gesetzt. Bevor man so eine Strategie entwirft, sollte man sich das vorhandene Personal genauer anschauen und fragen, „wo sind die Mannschafts-Typen?“ Sieht jemand unter Benutzung eines Fernglases einen Schweinsteiger, einen Podolski, einen Mertesacker? Was wir gesehen haben, war eine Formation bestehend aus Multimillionären, die sich zu einem Ballspiel verabredet haben. „Gegen wen spielen wir? Mexiko? Ich kenne nur Acapulco.“
Nach dem Südkorea-Spiel: „Ach was, wir sind schon ausgeschieden? Naja, dann fliege ich halt mit einem meiner Bikini-Models zum Golfen.“

Trostlos, farblos, wirkungslos

Der DFB-Präsident Reinhard Grindel hat eine Ausstrahlung wie ein Glas stilles  Wasser im Biergarten:  trostlos, farblos, wirkungslos! Er ist deutlich sichtbar kein Fußballer. Grindel erinnert mich an einen jungen Mann, der eines Tages im Winter, als ich Trainer beim FC Zell war, unbedingt in der Halle mittrainieren wollte. Also gut, wir ließen ihn mitmachen, was sich als schmerzlicher Fehler herausstellte. Er rannte mit dem Kopf voraus an die Wand, fiel um und wir mussten ihn aufwecken. Als er wieder bei Sinnen war, riet ich ihm zu einer anderen Sportart.

Durchviperalisierte* Funktionäre

Der DFB versteht seine Basis nicht. Seine Funktionäre sind überwiegend eitle, komplett „durchviperalisierte*“ Gesellen. Sie deckeln über die Landesverbände ihre Mitgliedsvereine. Sie hauen den Ehrenamtlichen für jedes mickrige Versäumnis Strafen um die Ohren und verlangen für jeden Killfitz Gebühren. Das Prozedere verhält sich in etwa so, als würde ein Unternehmen von seinen Mitarbeitern Gebühren für ein Urlaubsantragsformular verlangen. (siehe auch „Fußball – rettet die Amateurvereine)

Unmutsäußerungen sind Bestandteil der Meinungsäußerung

Der DFB bestraft sogar Unmutsäußerungen der Fans. Auch wenn es dem mächtigen, und jetzt in Russland zurechtgestutzten Verband nicht passt: Unmutsäußerungen sind Teil der freien Meinungsäußerung.
Der DFB bestraft und legt seine eigene Fristsetzung, wie im Fall KFC Uerdingen, so aus, wie er es für richtig hält.
„Die Voraussetzungen sind gegeben“, erklärte DFB-Vizepräsident Rainer Koch. Die Frist für die Hinterlegung der Liquiditätsreserve für die 3. Liga war am 29. Mai um 15:30 Uhr abgelaufen. „Das Geld sei“, so Koch, „am Morgen um 7:50 Uhr bei der Bank eingegangen, aber erst am nächsten Tag auf dem DFB-Konto gutgeschrieben worden.“ Uerdingen habe sogar noch einen zweiten Versuch unternommen und eine Schnellüberweisung vorgenommen, die allerdings erst um 15:50 Uhr, also 20 Minuten zu spät, einging. Allein dieses irrsinnige Prozedere zeigt, wie die Juristen im DFB ticken. Bei Gericht, beim Finanzamt oder sonst wo endet eine Frist stets um Nulluhr und nicht am hellen Tag um 15:30 Uhr.

Sippenhaft für Regionalligisten

Der SV Waldhof Mannheim soll mit neun Minuspunkten in der Regionalliga Südwest starten. Eine unglaubliche Strafe für eine ambitionierte Mannschaft, die regelrecht in Sippenhaft genommen wird. Was sportlich zu klären ist, sollte sportlich geklärt werden. Den Schaden, den Chaoten verursachen, sollen gefälligst diese Wahnsinnigen selbst bezahlen. Dafür ist der Verein und sein Sicherheitsbeauftragter, und nicht die Mannschaft zuständig.

Unvergessen

Der DFB hatte einer Vorverlegung des Pokalspiels FC Würzburger Kickers gegen den SV Werder Bremen (12. August 2017, 20:45 Uhr) nicht zugestimmt. Das Spiel musste dann in Offenbach ausgetragen werden. Den finanziellen Schaden durften die Kickers stemmen. Diese Sturheit ist ein weiteres Indiz für die Selbstherrlichkeit bestimmender DFB-Funktionäre.

Schiedsrichterwesen

Über die Video-Schiris wurde schon alles gesagt, nur noch nicht von jedem. Die WM in Russland zeigt uns, wie Video-Schiris funktionieren sollten. Wir sehen auch Schiedsrichter, die nicht bei jeder Kleinigkeit pfeifen und das Spiel einfach laufen lassen.
In der 3. Liga gibt es (noch) keinen Video-Beweis. Dafür gibt es dieses übertrieben selbstgefällige Auftreten von Schiedsrichtern, die wohl glauben, sie seien die Hauptperson auf dem Spielfeld und müssen die Eitelkeiten der DFB-Oberen Woche für Woche in den Stadien repräsentieren.

Bild DFB

Neuanfang, mit wem?

Wenn ich schon Neuanfang höre, dann schaue ich mich prinzipiell um und sehe die gleichen Leute wie zuvor.  Es gab einen Neuanfang als Wolfgang Niersbach am 9. November 2015 zurücktreten musste. In allen Medien war, was Wunder, von einem Neuanfang im DFB die Rede. Niersbach ward gegangen. Ihm folgte Grindel als großartiger Neuanfänger! Ach fast hätte ich es vergessen: Es folgte ja noch die großartig gefloppte Kampagne „Die Mannschaft“.
Das DFB-Präsidium ist sich einig: Jogi Löw soll eine neue Nationalmannschaft entwickeln! Wenn das mal kein Neuanfang ist?

* Viperalisierung ist ein von Rudolf F. Thomas erfundenes Kunstwort.

 

 

 

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„Alexa, wie haben wir heute gespielt?“

„Alexa, wie haben wir heute gespielt?“ „Wir hatten in Unterhaching 70 Prozent Ballbesitz und verlieren trotzdem.“

Na klar, weil am Ende brauchst du halt einen, der das Ding rein macht.
Das ist die wahrste aller Fußballweisheiten, auch wenn ihre Wichtigkeit von Trainern und Spielern in Interviews gerne verdrängt wird. Alles andere fällt unter taktische Innovationen zur Steigerung des Marktwertes  moderner Fußballtrainer, die gerne spöttisch als Laptop-Trainer bezeichnet werden. Warum? Weil sie ihre Interpretation von Fußball in  Ballbesitzzeiten, Passquoten und Torschussverhältnissen bemessen.

Den überheblicherweise zum Old-School-Fan degradierten Zuschauer interessieren solche Auswertungen nicht im Geringsten. Er wertet ein gutes Spiel nach Torerfolgen, Torchancen, spannenden Strafraumszenen und nach Ergebnis. Ein 5:3 Erfolg ist ihm hundert Mal lieber als ein vom Laptop-Trainer analysiertes mageres 1:0-Endergebnis.

(Mehr über das Thema Chancen- und Spieldominanz folgt am Ende dieser Kolumne.)

Stillstand ist Rückstand

Es gibt Situationen, die kann man nur mit Plattitüden auf einen Nenner bringen: Stillstand ist Rückstand, ist so eine zutreffende Phrase, für das, was „unsere“ Kickers-Mannschaft nach der Winterpause abliefert. Keine erkennbaren Verbesserungen, weder bei einzelnen Spielern  noch im gesamten taktischen Verhalten.

Kickers-Sado-Macho-Stunde in der Mediathek

Wer sich mal wirklich eine Sado-Macho-Stunde geben möchte, der schaue sich in der Mediathek des BR noch einmal ganz konzentriert das Spiel Unterhaching gegen Kickers an. Nach 20 Minuten habe ich aufgehört die zahlreichen Stockfehler, sprich technischer Defizite unserer Spieler zu zählen. Wer seiner Ballannahme hinterherlaufen muss, weil er den Ball nicht beherrscht, dem fehlt einfach die notwendige Klasse. Aber „wir hatten mehr Ballbesitz“!

Spielende Leiharbeiter

Diese Mannschaft berührt nie die Kickers-Seele. Die Spieler wirken wie Leiharbeiter, die zwar ihren Vertrag kennen, aber nicht so richtig wissen, ob sie zur Belegschaft gehören. Sie spulen halt ihr Programm ab, jedoch ohne, dass der Funke zum Publikum überspringt.

Kein Typ zum Zunge schnalzen

Ein weiteres „Elend“ dieser Mannschaft ist es, dass sie über keinen Spieler verfügt, der einem so richtig erfreut, wenn er spielt. Einer bei dem Zuschauer mit der Zunge schnalzen. Einer, der ein Spiel entscheiden kann.

Und weil so ein Spieler mit individueller Klasse fehlt, konzentriert sich im Umfeld und in den Medien alles auf Sebastian Neumann. Sein Vertrag läuft aus. Angeblich gibt es für ihn Angebote aus der 2. Bundesliga. Wunderbar! Ich gönne ihm, auch wenn er für unsere Kickers ein Verlust wäre, einen guten Vertrag bei einer ambitionierten Mannschaft, weil er Woche für Woche kontinuierlich seine Leistungen auf den Platz bringt.

„Bierbesitz ist wichtiger als Ballbesitz“

Der harte Kern, der Kickers-Freunde, kommt samstags, frei nach Kaiser Franz („gute Freunde kann niemand trennen“),  zum „Dalle„, weil man sich seit vielen Jahren kennt. „Bierbesitz ist wichtiger als Ballbesitz“ und fördert dazu noch den Gemeinschaftssinn, abseits von einem nicht mehr erkennbaren Vereinsleben. Das Spiel an sich ist derweil nicht mehr so wichtig, weil die Klasse gesichert, weil wenig Unterhaltungswert. Die weiteren Aussichten erscheinen mehr nebulös als transparent.

Antiquierte Spielweise

Trainer sind ganz leicht zu bewerten: Wer gewinnt, ist ein guter Trainer, wer verliert, ist ein schlechter Trainer! Mit Bernd Hollerbach haben wir erlebt, wie schnell Auf- und Abstieg beieinanderliegen. Seine Spielweise wirkte, obwohl sie zweieinhalb Jahre vom Erfolg gekrönt war, antiquiert. Das beklagenswerte Ende kennt jeder!

„Alexa, was für einen Trainer haben wir?“

Michael Schiele wirkt stets freundlich, nett und familiär. Er hat das primäre Ziel Klassenerhalt erreicht. Und nun frage ich, was will er in den restlichen Spielen mit Ausblick auf die kommende Saison erreichen?

„Alexa, wie soll zukünftig eine Kickers-Mannschaft auftreten?“

Legt Schiele Wert auf Spieldominanz oder auf Chancendominanz?
Stehen ihm zukünftig die Spieler zur Verfügung, um beide Spielansätze umzusetzen?
Und ist Trainer Michael Schiele in der Lage eine Mannschaft zu formen, die begeistert und nicht nur absolviert?
Ist er ein sogenannter Perspektiventrainer, der auch dem Nachwuchs was zutraut? Oder ist er einer, der den schnellen Erfolg sucht, um sich selbst für höhere Aufgaben zu empfehlen?
Ein wirkliches Profil kann ich ihm (noch) nicht entnehmen, zumal ich bei unseren aktuellen Spielern kaum ein individuell verbessertes Leistungsvermögen  erkennen kann. „Alexa, wie gehen wir in die nächste Saison?“ „Lass‘ Dich überraschen!“

(Mehr zum Thema unter Chancen- und Spieldominanz in der Kategorie Fußballlehre)


Bild: Orizon      

Chancen- und Spieldominanz

Quantifizierte Analysen

Das Bestreben einen Spielverlauf mit einer umfassenden Quantifizierung  durch Erfassung der Ballbesitzquoten zu analysieren, entspricht einer Informationspraxis vieler Fußballlehrer, die Fußballliebhaber an dem zweifeln lassen, was sie selbst gesehen haben. Auf einen einfachen Nenner gebracht, habe die Mannschaft mit mehr Ballbesitz „deutlich mehr vom Spiel gehabt“, den „Gegner klar dominiert“, also „wesentlich besser gespielt“ und somit „den Sieg eigentlich verdient“, genau genommen „unverdient verloren“.  Ist es das, was wir aus 90 bis 100 Minuten als Ergebnis eines Fußballspieles als Erlebnis mitnehmen?

Diese Spielanalysen kann auch Alexa zum Besten geben. „Alexa, wie haben wir heute gespielt?“ „Wir haben den Gegner klar dominiert und dadurch unseren Punktestand gehalten.“

Ballbesitzquote als gefühlter Sieg

Obwohl Trainer nur noch systemkonforme Statements abgeben, dominieren die Analysen die Medien und die TV-Experten. Der Meister, der Ballbesitzquote ist Pep Guardiola. Sein deutscher Nachahmer ist Thomas Tuchel, der sich 2016 nach einer 2:0-Niederlage im Supercup gegen Bayern München auf die Ballbesitzquote berief und deshalb (ohne Alexa) von „einer unverdienten Niederlage“ sprach.

Ballbesitz als Worthülse

Was sagt der Ballbesitz denn aus? Was zählt als Ballbesitz und wer bemisst ihn? Ist es Ballbesitz, wenn ich Einwurf habe oder der Torwart einen Abstoß ausführt?  Ballbesitz sagt so gut wie nichts über das Spielgeschehen aus. Ballbesitz ist eine systemanalytische Worthülse, die weder etwas über Qualität noch Intensität, auch nichts über die taktische Ausrichtung oder den konkreten Spielverlauf aussagt.  Ballbesitz sagt auch nichts über Torschüsse und echten Torchancen aus. Er ist nur ein Begriff ohne Wert, der den Fußballfan dann in die Irre führt, wenn er „mehr Ballbesitz“ mit „mehr Torchancen“ gleich setzt. Im Fußball besteht eben kein für die Analyse taugliches Verhältnis zwischen Ballbesitz und  echter Torchancen.

Die Umsetzung einer Ballbesitzquote in Torchancen mag auf dem Laptop lösbar sein. Auf dem Platz jedoch ist die Umsetzung viel schwieriger. Zudem besteht zwischen Chancenanzahl und echten Torereignissen eine extrem starke Diskrepanz. Den auf Daten fixierten Systemtrainer interessiert das nicht. Ihm wird bereits kurz nach Spielschluss eine ausgedruckte Datenanalyse in die Hand gedrückt, die ihn vor laufender Kamera zu dem angeblichen wissenschaftlichen Fazit kommen lässt: Wir hatten mehr Ballbesitz! Wir spielten deutlich mehr Pässe und wir kreierten  mehr Chancen! Wir haben verloren! Was für ein Pech!

„Man soll die Stimmen wägen und nicht zählen.“

Vielleicht sollten sich moderne Fußballtrainer manchmal alter Weisheiten bedienen. Bei Friedrich Schiller zum Beispiel: „Man soll die Stimmen wägen und nicht zählen.“ Auf den Fußball übertragen heißt das konkret: Den Ballbesitz, die Zweikämpfe, die Pässe, die Torchancen abwägen und nicht nur zählen, um sie glaubhaft zu beurteilen.

Die Spielphilosophie dominanter Trainertypen

Um das Thema Spiel- und Chancendominanz zu verdeutlichen, riskiere ich mal einen geschärften Blick auf internationale Trainertypen:

Bild: Kicker
Spieldominanz made by Pep

Aktuell dominieren meiner Meinung nach, zwei Trainertypen den internationalen Fußball. Die einen legen Wert auf eine Spieldominanz, die von Pep Guardiola, Thomas Tuchel und auch Jogi Löw interpretiert wird. Die Strategie lautet, durch optimale Ballsicherheit dem Gegner über das gesamte Feld keinen Ballbesitz zu gestatten und ihn dadurch zu ermüden. Dazu braucht man technisch versierte ballsichere Spielertypen, die, das Spiel lesen. Xavi Alonso war so einer. Ilkay Gündogan und Toni Kroos sind aktuelle Taktgeber dieser rhythmusvariablen Spielweise.

Chancendominanz made by Klopp

Dagegen sind José Mourinho, Diego Simeone und Jürgen Klopp auf Chancendominanz ausgerichtet. Der chancendominante Ansatz bedeutet,  die Mannschaft soll gefährliche Spielszenen inszenieren, in dem sie den Gegner durch Pressing und hohes Tempo zu Ballverlusten zwingt. Das sieht auf den ersten Blick nach klassischem Konterspiel aus, ist es aber nicht, weil die Balleroberung bereits in Gegners Hälfte und nicht erst in der Defensive der eigenen Spielhälfte beginnt. Dazu benötigt man pfeilschnelle Spielertypen, wie Antoine Griezmann, Kingsley Coman oder Mohamed Salah, die über Sprinterqualitäten und schnelle Spielauffassung verfügen.

Systemverschmelzung made by Jupp Heynckes
Bild: BR Fernsehen

Fehlen natürlich noch Trainer, die beide Ansätze in ihren taktischen Spielauffassungen quasi verschmelzen lassen. Carlo Ancelotti und Jupp Heynckes bevorzugen das System der Chancen- und Spieldominanz, was auch den reibungslosen Übergang von Ancelotti zu Heynckes erklärt.
Jupp Heynckes hat einige von Ancelotti hinterlassene Baustellen im personellen und disziplinarischen Bereich positiv verändert. Er hat Spielertypen, die Chancen- und Spieldominanz perfekt beherrschen, aber unter Ancelotti verunsichert wurden, Vertrauen zurückgegeben (David Alaba, Joshua Kimmich, Kingsley Coman, Mats Hummels, Thomas Müller usw.).
Die Systemverschmelzung von Chancen- und Spieldominanz hat Heynckes nicht verändert. Er hat sie „nur“ durch eine kluge am Gegner ausgerichtete Rotation erfolgreich ergänzt.

Stadionbau: Ja, was ist wenn?

Die 3. Liga ist so etwas, wie die Schambeinentzündung des Profifußballs. Sie hört sich frivol an, ist aber nicht besonders sexy! Dazu ist sie hartnäckig und langwierig, wenn es darum geht, sie wieder loszuwerden.

Um in die 2. Bundesliga aufzusteigen, benötigt man einen Spielerkader, bestückt mit Spielern, die über Zweitligaqualitäten verfügen. Die kosten richtig Geld. Und woher kommt die Kohle? Von Sponsoren und Werbepartnern! Wer noch glaubt, ein Fußballclub könne sich durch Mitgliedsbeiträge und Zuschauereinnahmen finanzieren, der glaubt auch, die FIFA sei aller Ehren wert.

Jeder Profiklub benötigt ein vom DFB genehmigtes Stadion. Um so ein Stadion zu bauen und um es zu betreiben bedarf es einen weiteren finanzstarken Partner, also die Kommune. Ja richtig, die Stadt Würzburg!

Das Engagement der Kommunen wird fast immer als Selbstverständlichkeit und mit viel Kritik von den Fußballfans abgetan. Dabei wäre nirgendwo Profifußball möglich, wenn die Städte nicht mitspielen würden.

Ein Stadion fällt nicht einfach vom Himmel. Parkplätze auch nicht. Die gesamte Infrastruktur eines Stadions hängt am kommunalen Netz.
Gerät der Profiverein in Schieflage, siehe z. B. Rot-Weiß Erfurt, dann soll die Stadt die rettende Hand reichen. Pro- und Kontradiskussionen für – und gegen die Verwendung von Steuergeldern sind im Stadtrat die Folge. Das ist bei einigen Würzburger Stadträtinnen und Stadträte nicht anders.

Der Stadtrat ist weder Gnadenhof noch Ponyhof

Unter den Stadträtinnen und Stadträten hat es genauso Schwarzmaler, nervige Bedenkenträger und solche, die ihre Zeit absitzen.
Ein Stadtparlament sollte kein Gnadenhof sein, aber auch kein Ponyhof. Alle Bürger haben einen Anspruch darauf, dass von der Mandatsträgerschaft nicht nur Verhinderungsargumente, sondern auch Innovationskräfte und Gestaltungsfähigkeiten ausgehen.
Wenn allerdings einige Stadträte nur auf schwachem Niveau eines Kirmeswahrsagers diskutieren, der vorgibt, das Scheitern des Projekts stehe in seinen gezinkten Karten, dann möge derjenige Stadtrat seinen geistigen Gesamtzustand fachkompetent überprüfen lassen.

Ja, was ist wenn?

Selbstverständlich steht es allen Bürgern frei, immer wieder die drei Kernfragen zu stellen:

„Brauchen die Kickers wirklich ein neues Stadion?“
„Wer finanziert das Stadion und wie refinanziert es sich?“
„Was ist, wenn alles schief geht und die Sponsoren keine Lust mehr haben?“

Ja, was ist wenn? Wenn ich das wüsste, dann würde ich es schreiben. Niemand weiß, was ist wenn….
Wichtig ist die Frage nach dem Nutzen und dem wirtschaftlichen Gewinn für die Stadt. Sicher würde die Diskussion einfacher geführt werden, wenn unsere Kickers in der 2. Bundesliga geblieben wären. Sind sie aber nicht! Dennoch ist es sinnvoll ein neues Stadion für den Profispielbetrieb zu bauen. Was wäre nämlich die Alternative? Etwa ein freiwilliger Rückzug aus dem Profifußball?

Mehr Zugewinn als IKEA

Stillstand in der 3. Liga oder freiwilliger Rückzug in die Regionalliga?
Oder doch lieber die Profis in der 3. Liga, vielleicht sogar absehbar wieder in der 2. Bundesliga und die U 23 in der Regionalliga?

Ein neues Stadion bringt auf Sicht der Stadt mehr Zugewinn als z. B. im Verhältnis betrachtet, die Ansiedelung von IKEA. Die EU prüft derzeit die Steuerpraxis des Möbelriesen, der in Deutschland immer wieder mit irgendwelchen Tricks aus dem Steuerdschungel seine Steuerzahlungen herunterdrückt.
Bleiben auswärtige IKEA-Kunden etwa übers Wochenende als Touristen in Würzburg? Partifiziert etwa die Würzburger Gastronomie von IKEA, wenn die schwedischen Möbelbastler ein Frühstück für 1,50 Euro anbieten?
IKEA ist für die Stadt weder ein nennenswerter Imageträger noch ein großartiger Wirtschaftsfaktor. Da spielt der Profifußball in einer ganz anderen Liga!

Investoren können auch rechnen!

Wenn die Investoren für einen Stadionbau an die Stadt Würzburg herantreten, dann haben sie sich garantiert alle Fragen gestellt und jede Antwort gegengerechnet. Oder glaubt jemand allen Ernstes, die Sponsoren um Initiator Thorsten Fischer, quatschen mal eben fiktiv aus der hohlen Hand über eine Investition von rund 40 Millionen Euro ohne die Tragweite zu kennen und sie errechnet zu haben?
Wer aus fehlendem Wissen heraus nichts weiß, gibt sich, weil bequem, gerne als öffentlicher Bedenkenträger. Vor einiger Zeit hat mich tatsächlich ein erfahrener Stadtrat, der mit Fußball nichts am Hut hat, gefragt, ob die Kickers „dort oben am Dallenberg noch Fußball spielen“.  

 Wirtschaftsförderung ist kommunale Pflicht

Wenn ein Unternehmen – und die Kickers AG (nicht der Kickers e. V.) ist eine Unternehmung – eine 20 Hektar große Gewerbefläche für einen Neubau sucht, dann springt normalerweise jeder Bürgermeister begeistert aus seinem Amtssessel.
Eine Kommune muss nämlich auch Wirtschaftsförderung betreiben. Und viele Kommunen haben Gewerbegebiete ausgewiesen, auf denen die Straßenlampen nachts nur die Karnickel bescheinen, weil sich kein Gewerbebetrieb angesiedelt hat. Die Stadt Würzburg weist laut IHK derzeit 43 Hektar nicht genutzte Gewerbefläche aus.

In Ruinen vergrabene Umweltsünden

Auch in Würzburg ruhen Ruinen auf weitgehend stillgelegten Flächen. Der elende Schandfleck Alte Feuerwehrschule in der Nürnberger Straße ist so eine Ruine. Oder die ehemalige Faulenberg-Kaserne! Die steht auf einer 12 Hektar großen Fläche, in dessen Erdreich vermutlich mehr Umweltsünden vergraben sind, wie die Grüne Stadtratsfraktion Mitglieder hat.
Auch alte, teilweise seit Jahrzehnten von der Stadt übernommene und dadurch geduldete Umweltsünden, bleiben eine nachhaltige Belastung für die Umwelt und auch für die Menschen.
Alte Bauwerke sind sehr oft größere Umweltsünder als Neubauten!

Lobenswerter Einsatz

Wenn sich Stadträtinnen und Stadträte für einen geeigneten Standort für ein mögliches neues Stadion einsetzen, so darf man das einerseits erwarten und andererseits auch belobigen. Zum Glück gibt es unter den Stadträten bekennende Kickers-Fans.
Emanuele La Rosa sitzt schon seit vielen Jahren, auch in dürren Landesliga-Zeiten, auf der Tribüne. Der frühere Vorsitzende des Post SV, Wolfgang Roth, sei, wie auch Dr. Christine Bötsch, die vermutlich schon von ihrem verstorbenen Vater unserem Ehrenmitglied Dr. Wolfgang Bötsch, die Kickers in die Wiege gelegt bekam, beispielhaft erwähnt.

Die Heimat des FC Würzburger Kickers e. V. ist der Dalle

Den meisten „Giggersle“ (ich glaube, das ist „würzburgerrisch“) geht es um den Erhalt ihrer Rot-weißen-Heimat.  Darüber diskutieren viele treue Mitglieder und sogenannte Old-School-Fans. Der „Dalle„, so höre ich immer wieder, muss erhalten bleiben. Das Kickers-Stadion ist so etwas wie ein Pfandbrief für den eingetragenen Verein (e. V.). Das kann ich nur unterstreichen! Der „Dalle“ steht einem neuen Stadion nicht im Wege, wenn er erhalten bleibt. Er ist etwa nach entsprechendem Umbau als zukünftiges Trainings- und Leistungszentrum bestens geeignet.

Erinnerungen

Es war für alle Verantwortlichen verdammt schwer, das Stadion über die Zeit zu bringen. Heerscharen an ehrenamtlichen Mitgliedern haben immer wieder für den Erhalt ihrer Spielstätte gearbeitet, sogar gekämpft.
Denken wir an Ehrenpräsident Heinz HillenmayerRalf Rösner, Dr. Michael Schlagbauer, der „Hasi“, der „Schlessi“ und an den ewigen „Unkrautvernichter“ Peter Hofmann.

Unvergessen sind auch die zahlreichen heutigen „Old-School-Fans„, die immer für ihren „Dalle“ einsatzbereit waren, wenn sie gebraucht wurden. Und ich kann jedem versichern, sie wurden oft gebraucht!

Der „Dalle“ ist ehernes Gesetz!

In diesem Stadion wurde gelitten, sich gefreut und auch reichlich gefeiert. Wir wurden für den einzigartigen Charakter unseres Kickers-Stadions beneidet, bewundert und selbstverständlich auch mit Häme überschüttet, wenn sich mal wieder bei einem Heimspiel nur 150 Zuschauer im weiten Areal gegenseitig die Hände schüttelten. Aber alle Erlebnisse haben uns stets eines vermittelt: Wir sind die Kickers und das ist, wie der „Dalle“ selbst, ein ehernes Gesetz!

Der Ball ist rund, wäre er eckig, dann wäre er ein Würfel

Toll! Ein Punkt in der Eisdiele in Paderborn geholt! Noch toller: Der Trainer ward zufrieden! Erkenntnis: Der Ball ist rund, wäre er eckig, dann wäre er ein Würfel!
Kennt ihr Gernot Hassknecht aus der „Heute Show“? Wenn ja, hört ihr sein Gebrüll, wenn ihm der Kragen platzt? Genau diese harsche  Tonlage soll euch Profispieler wie ein kleiner zorniger Mann im Ohr, bis zum  letzten Spiel dieser vermurksten Saison verfolgen.

Bild: ZDF, Gernot Hassknecht

Die Herren Fußballprofis konnten nach dem Sieg gegen Magdeburg durchaus berechtigt auf Platz 4 und somit auf die Teilnahme an den DFB-Pokalhauptrunden schielen. Zu der Zeit betrug der Rückstand auf den 4. Platz „nur“ 6 Punkte! Anstatt die gute Ausgangsbasis hoch motiviert zu nutzen, folgte die Aufführung von…

Der Chancentod von Rostock.

In der Hauptrolle der Schweizer Orhan Ademi! In Nebenrollen Dominic Baumann, Patrick Göbel, Felix Müller und als Überraschungsgast Marco Königs in der Welturaufführung „der Chancentod von Rostock“.  Im Schlussakt typische Phrasendreschereien:

„Ja, solche Tage gibt es!“
„Wir hatten kein Glück!“
„Wir waren die bessere Mannschaft!“
„Das Ergebnis von 3:1 für Rostock spiegelt nicht den Spielverlauf.“

Wenn pallavernde Spieler bei meinem Fußballerstammtisch für jede Phrase einen Euro einschmeißen würden, dann könnten wir Stammtischbrüder von der Kohle einen echten Stürmer kaufen und ihn unseren Kickers schenken.  Und was folgte nach dieser in Rostock vergeigten Leistungsexplosion?

Die nächste Vorstellung: furchterregendes Zwickau!

Ein unwürdiges, gerade so noch erreichtes 1:1 Unentschieden gegen die „furchterregende“, ach so spielstarke „Übermannschaft“ aus Zwickau.
„Alter Schwede“, wenn man Woche für Woche auf Kickers-TV hört, was ihr Profis euch für das nächste Spiel zurechtschwätzt und was ihr dann tatsächlich abliefert, dann wird auch dem einfachsten Intellekt deutlich, worin sich Wunsch und Wirklichkeit unterscheiden.

Der Ärger sitzt tief!

Wie bitter der sinnlos vergeigte Klassenerhalt in der 2. Bundesliga war, wird mit jedem noch ausstehenden Spieltag in Liga 3 deutlich, weil jetzt nur noch Spiele um die goldene Ananas folgen.
Ihr Profis habt binnen weniger Monate alles verspielt, was sich viele treue Kickers-Freunde von euch erhofft hatten. Okay, der direkte Wiederaufstieg in die 2. Bundesliga war vielleicht zu hoch gegriffen. Aber die wiederholte Teilnahme an den DFB-Pokal-Hauptrunden war ein realistisches Ziel, zumal es dafür gleich zwei Chancen gab.

Die eine Gelegenheit wurde am 3. Oktober 2017 im Viertelfinale des BFV-Totopokal in Rosenheim vergeigt und die zweite Chance ist rein theoretisch mit 11 Punkten Rückstand auf Tabellenplatz 4 noch in Sichtweite. Wer glaubt aber wirklich bei noch 12 ausstehenden Spielen an eine furiose Siegesserie?
Schon vergessen? Es geht bei den DFB-Pokalhauptrunden im Wesentlichen auch ums Geld, um den guten Ruf und, Überraschung, sogar um die Ehre. Ich weiß Ehre ist Old-School!

Fremdgesteuerter Spielerkader

Fakt ist, wir haben keine Spitzenmannschaft! Die Zusammenstellung des Spielerkaders wirkt fremdgesteuert. Es fehlt, die klare auf die Kickers bezogene fußballerische Ausrichtung unter Einbeziehung der Würzburger Besonderheiten und Vorteile.
Bereits die Verpflichtung von Ex-Trainer Stephan Schmidt wirkte so planlos, als hätten sich zwei Nachbarn in ihrem Urlaubsdomizil abends auf eine Flasche Rotwein getroffen.
Der eine Nachbar betreibt eine Agentur, die Spieler und Trainer vermittelt. Der andere Nachbar ist maßgebender Entscheidungsträger beim FC Würzburger Kickers.
„Ach“, sagt der eine Nachbar bei einem lauen Mallorcanischen Sommerabend, „ich hätte übrigens einen Trainer für Dich.“ „Prima“, sagt der andere Nachbar, „wir benötigen zufällig einen. Hast Du auch noch bezahlbare Spieler im Portfolio?“ Flasche Rotwein leer und der neue Cheftrainer Stephan Schmidt war verpflichtet. Die „Nummer“ kann sich bei nüchterner Betrachtung nur so oder ähnlich zugetragen haben.

T.e.a.m. – „Toll ein anderer macht´s!“

Der neue Trainer kennt selbstverständlich auch ein paar Spieler, die bei entsprechender Bezahlung versteht sich, durchaus gewillt sind zu wechseln.

Später, wenn alle Mann verpflichtet und endlich zum Trainingsbeginn im Kickers-Sweater auflaufen, kann der Cheftrainer mit der Teambildung beginnen. Zu diesem Zweck reist der ganze Tross dann ins von der Sonne verwöhnte Trainingslager. Stellen sich nachher die Erfolge nicht ein, dann wird meistens deutlich, dass der Begriff Team eigentlich nur eine Abkürzung für „Toll ein anderer macht´s“ ist.
Die gebildete Gemeinschaft funktionierte nicht, also muss der erfolglose Trainer raus. Der Co-Trainer soll es als Cheftrainer richten. Es folgte ein weiterer Teambildungsprozess und bei den Kickers-Fans keimte neue Hoffnung auf. Bisheriges Ergebnis? Der Klassenerhalt scheint gesichert!

Gibt es bei den Kickers ein Scouting?

Laut Transfermarkt haben wir einen Chefscout. Ob der mal einen Stürmer findet, der ein Torgarant ist, vor dem sich jeder Gegner fürchten darf? Womöglich einer der im Spiel nur einen Weg kennt und weiß, wo das Tor steht? Stephan Hain wäre so einer gewesen. Der soll mal bei Hollerbach angeklopft haben, bevor ihn Unterhaching verpflichtete. Bisher hat Hain 15 Tore in Liga 3 erzielt und führt damit die Kicker-Torjägertabelle an, in der von unseren Kickers erst gar kein Spieler erwähnt ist.

Dennis Bergkamp: „Hinter jedem Kick vom Ball muss ein Gedanke stehen.“

Ja so Fußballersprüche können schmerzen! „Entscheidend im Fußball ist der Ball.“ (Uwe Seeler) Und noch einmal: „Der Ball ist rund, wäre er eckig, dann wäre er ein Würfel.“ (Gyula Lóránt)
Seit einem Jahr würfeln wir am Stammtisch immer mal wieder darum, wer von den gesetzten (doppeldeutig) Stürmern ein richtiges aus dem Spiel heraus erkennbar gewolltes Tor schießen könnte. Wir knobeln auch darum, ob der Marco Königs noch einmal medienwirksam den Zaun hochklettert? Vermutlich wird er das nicht mehr schaffen.
Er hat bisher für unsere Kickers in den Ligaspielen ganze 2 Tore erzielt. Verpflichtet wurde er nach dem Aufstieg in die 2. Bundesliga. Immerhin wurden für Königs laut Transfermarkt 200 Tausend Euro Ablöse an Fortuna Köln bezahlt. Was ein Schnäppchen!

Ich bleibe ganz ruhig und stelle mir vor, der Trainer wechselt Adam Jabiri ein. Geht leider nicht! Dem Adam traute man die 2. Bundesliga nicht mehr zu. Für mich war das auch einer dieser Fehler, die zum Abstieg führten, weil der Adam hat, das, was andere selbst dann nicht können, wenn sie Tag und Nacht darauf trainieren würden: Adam hat das Torjäger-Gen! Der hält den Schädel hin, wenn ein anderer bereits den Kopf einzieht.

Der Hype ist vorerst vorbei

Schon jetzt sind die Zuschauerzahlen rückläufig. Der Hype ist vorerst vorbei! Und er wird auch in der kommenden Saison nicht neu aufleben, wenn weiter das Mittelmaß regiert. Ergo werden wir uns im Schnitt mit 5.000 Zuschauern, vielleicht sogar weniger, begnügen müssen, es sei denn, in der kommenden Saison spielt die Mannschaft um die Meisterschaft. Aber wäre das wirklich möglich? Mit dem aktuellen Kader sicher nicht! Und ohne einen qualifizierten Sportdirektor auch nicht.

Zu dumm, um es selbst zu merken!

Es gibt Leute, die gerne austeilen, aber selbst nichts einstecken können. Sie nutzen die Möglichkeit der Anonymität in den sozialen Medien und erweisen sich dann mit ihren Schmähungen als Hater, Mobber und Negaholiker. Mehr über diese Spezies und wie man sich ihrer erwehrt, steht in meinem aktuellen Sachbuch Saboteure des Glücks.
Andere „Experten“ wiederum sind Anwalts Liebling, weil sie infolge eigener Selbstüberschätzung immer recht haben wollen, es aber, den Gerichten sei Dank, nicht immer bekommen.
Solche Zeitgenossen pflegen u. a. die Macht der irrationalen Niedertracht. Sie sind unter uns, am Arbeitsplatz, in der Nachbarschaft, eigentlich überall. Manche von ihnen gründen merkwürdige Vereinigungen und seltsame  Bürgerinitiativen über, die sich der einigermaßen normale Mensch wundert. All diese Gruppierungen finden immer eine Gefolgschaft, weil das Irrationale eben nicht rational funktioniert. Vielleicht ist es auch genau anders herum, wer weiß das schon?

Der boshafte Mensch ist zum Verzicht bereit, indem er zum Beispiel einen  Rechtsanwalt beauftragt. Der kostet, erst recht für unsinnige Rechthaberei, bekanntlich Geld! Aber selbst die Rechthaberei kann durchaus witzige Facetten an den Tag legen, wie eine wahre Geschichte belegt.

Wegen einer angeblichen Urheberrechtsverletzung, weil ein Schriftsatz seines Anwaltes im Internet zu lesen ist, konsultierte ein Rechthaber, den ich der Anonymität wegen „Nachbar“ nenne, besagten Anwalt. Der Anwalt schickte unter Fristsetzung eine Abmahnung inklusive Unterlassungserklärung und Kostennote. Falls die Abmahnung bzw. die Unterlassungserklärung nicht fristgerecht eingeht, sollte Klage erhoben werden.
Der Abmahnung wurde unter Ankündigung einer Feststellungsklage widersprochen, weil der angebliche urheberrechtsverletzte Rechthaber, „Nachbar“ genannt, vergaß, dass er für die Veröffentlichung gemäß Impressum (Telemediengesetz) selbst verantwortlich zeichnet. Man kann auch sagen: Zu dumm, um es selbst zu merken! Fazit: Die Boshaftigkeit als gemeiner Antrieb zur Rechthaberei bewehrt sich eher selten.

„Holler, die Waldfee!“

Niemand hat jemals „Holla, die Waldfee“ gesehen und dennoch ist sie immer dann in aller Munde, wenn großes Erstaunen die Runde macht. So staunte auch ich, als der HSV, das in Würzburg in Vergessenheit geratene, aber allemal medienwirksame Wortspiel vom „Wunder von Bernd“ herauskramte. Hollerbach als gewünschter Retter des nostalgisch anmutenden, bis hin zur Leistungsbefremdung wirkenden Bundesliga-Dinos HSV?  Nicht nur zu dieser „Nummer“ sage ich jetzt neuerdings: „Holler, die Waldfee!“

Ich erinnere gerne, gerade jetzt in der närrischen Zeit, an Donnerstag, den 23. Juni 2016: Viele Kickers-Freunde begaben sich damals erwartungsfroh ins XXL-Möbelhaus, um einem Gerücht folgend, Ivica Olic als Neuzugang in Würzburg zu begrüßen. Daraus wurde nichts, also verkündete der Vorstandsvorsitzende der Kickers AG, die Vertragsverlängerung mit Trainer Bernd Hollerbach bis 2019.  Zitat „Holler“: „Ich habe gemerkt, dass ich durch den Aufstieg gar keinen Vertrag mehr habe.“ Der vertragslose Zustand wurde offenbar geändert. 

Holler, der Berater?

Es gibt, wenn wir Mario Basler glauben schenken, von den Vereinen vorformulierte Standardaussagen für Fußballspieler und auch für Funktionäre, die inhaltslos und ohne eigener Meinung brav in die Mikrofone gesprochen werden. „Wer die Tore schießt, ist letztlich egal; wir sind ein Team!“ Oder: „Ohne den Rückhalt der Fans und der Kickers-Familie, wäre das alles nicht möglich!“ Für solche Plattitüden des Fußball-Mainstreams habe ich lediglich ein dreifach müdes Gähnen übrig.

Was bei unseren Kickers alles möglich ist, offenbarte sich jetzt, als das  abgegriffene „Wunder von Bernd“  zum HSV weitergereicht wurde: Nach dem überflüssigen Abstieg aus der 2. Bundesliga wäre Hollerbach, so die offizielle Verlautbarung, als Trainer zurückgetreten. Die Geschichte war mir mit Verlaub, schon bei der Bekanntgabe zu geschmeidig, um wahr zu sein. Es ging bei dieser Inszenierung einzig um Gesichtswahrung, weil einen Hollerbach einfach zu entlassen, nach dem er unsere Kickers aus der Grauzone der Regionalliga bis in die 2. Bundesliga bzw. 3. Liga geführt hatte, das hätte einer knallharten Demontage entsprochen, die öffentlich nicht gut angekommen wäre.

Von den anwesenden Journalisten hat am 22. Mai 2017 in der Pressekonferenz explizit niemand gefragt, ob parallel zum Rücktritt als Trainer auch die arbeitsrechtlich formelle schriftliche Kündigung erfolgte? Warum auch, geht doch jeder davon aus, dass ein Rücktritt der Beendigung eines Arbeitsverhältnisses gleich zu setzen ist. Dies scheint aber nicht zwingend der Fall zu sein.

Jetzt herrscht erstauntes Kopfschütteln in der viel zitierten Kickers-Familie in der sich einige Familienmitglieder bestätigt sehen, die schon immer hinter der Hand vorgaben, zu wissen, dass der „Holler“ einen Beratervertrag habe.  Scheinbar ist es gar nicht so weit hergeholt, wenn einige Fans singen „wir sind der reichste Klub der Welt“.  Steht doch auch noch der gescheiterte (der sich gerne, als der Gescheitere sah) Trainer Stephan Schmidt nach wie vor auf der Lohnliste der Kickers AG. Wie lange noch Schmidt bezahlt werden muss, das weiß eigentlich auch niemand. Lassen wir die Worte vom Vorstandsvorsitzenden Daniel Sauer vom 23. Mai 2017, der Tag an dem Schmidt verpflichtet wurde, Revue passieren, dann wird uns klar, warum man nicht immer weiß, warum man nichts weiß:

Wir sind Schalke dankbar für die Kooperationsbereitschaft, das ist im heutigen Geschäft keine Selbstverständlichkeit. Deshalb unterhalten wir uns heute auch nicht über Verträge und deren Laufzeiten.“  

„Holler, die Ablöse!“

Es war schon immer eine gängige Praxis, wenn man einen leitenden Angestellten los haben wollte, ihn aber aus vertraglichen Gründen weiter beschäftigen musste, dass man ihn, bei vollem Gehalt versteht sich, in ein sogenanntes Besserungszimmer „zur besonderen Verwendung“ unter Beibehaltung aller Statussymbole steckte. Die andere Variante ist die Zahlung einer beträchtlichen Abfindung oder man bietet dem überflüssig gewordenen Kollegen einen Beratervertrag mit entsprechender Laufzeit und angemessenen Honorarzahlungen an.  So kann dann der Berater auch weiterhin mit seinem Dienstwagen zum Beispiel in Hamburg vorfahren. Findet er dann einen lukrativen neuen Arbeitsplatz, so freut sich in der Regel der bisherige Arbeitgeber.
Nicht so wirklich freut sich wohl über den „Wechsel“ von Hollerbach zum HSV, die Vorstandsetage der Kickers AG. Die fordert eine Entschädigung! Stellt sich die Frage für was? Etwa für die mäßige Beratung bei der Verpflichtung des gescheiterten Trainers Stephan Schmidt? Den Anspruch könnte ich in der Tat nachvollziehen!

Mann, Mann, Mann!

Joannis Karsanidis, war unter Bernd Hollerbach von der Regionalliga bis in die 2. Bundesliga hinein, die sich allerdings für „Karsa“ als eine Klasse zu hoch erwies,  gesetzt.  Sein Vertrag endete mit dem Abstieg aus der 2. Bundesliga. Die Personalie Karsanidis war für alle Kickers-Fans eigentlich schon vergessen bis Vorstandschef Daniel Sauer zur Überraschung aller am 26.06.17 einen neuen Vertrag bis 2019 verkündete:Karsa war schon vor Anbeginn des Profifußball-Projektes bei den Kickers dabei und hat mit den gezeigten Leistungen seinen Anteil daran, dass wir solch eine sportliche Entwicklung nehmen konnten. Er ist ein Franke, für den Würzburg längst zur Heimat geworden ist. Für uns war schnell klar, dass wir mit ihm den eingeschlagenen Weg gemeinsam weitergehen wollen, jetzt haben wir Fakten geschaffen.“ Donnerwetter, der Sportdirektor als Mann der Tat, die allerdings nicht lange anhält. Knapp sieben Monate später heißt es nun „Karsa kann gehen, er spielt keine Rolle mehr im Kader der Kickers„.
Trainer Michael Schiele hat das Leistungsvermögen von Karsanidis richtig eingeordnet und ehrliche Worte gebraucht. Ich ziehe die Kickers-Cap und sage:
Eines ist sicher „Karsa“, wenn Du gespielt hast, dann hast Du für unsere Kickers alles raus gehauen! Deine Einstellung und Dein Wille waren großartig! Danke und alles Gute!

 

„Schaffe, schaffe Mannschaft baue!“

Über die Schwaben ist im Grunde alles gesagt, was ohnehin jeder weiß. Als echter Badener ( genau genommen Karlsruher) erwähne ich die Sueben höchstens mal mit Widerwillen, was der bestehenden traditionellen Hassliebe zwischen Badenern und Schwaben geschuldet ist.
Etymologisch leiten sich Schwaben (ganz genau weiß man es nicht) eventuell von „schweifen“ (lateinisch suevia) ab, was auf nomadischen Ursprung der Urschwaben im 3. Jahrhundert hindeuten könnte.

Er war jung und brauchte das Geld

Herumgekommen ist Kickers neuer Cheftrainer mehr regional als national. Als Junior spielte er beim FC Dunstelkingen-Frickingen, irgendwo im Landkreis Heidenheim, bevor es ihn zum TSV Nördlingen zog.
Der Schwabe an sich neigt zur Bodenständigkeit und so spielte Michael Schiele als Fußballprofi meistens für den VfR Aalen, mit dem wir gute Erfahrungen gemacht haben. Marco Haller (spielt derweil in Dorfmerkingen) und Sebastian Neumann kamen auch aus Aalen nach Würzburg. Schieles eher unüberlegter Transferausrutscher in der Saison 2001/2002 zu einer etwas mehr als seltsam anmutenden Vereinigung, die grüne Leibchen trägt, sei unter „ich war jung und brauchte das Geld“, erwähnt und gleichzeitig verziehen.

Erfolgreich mit bodenständigen Trainern

Bei unserem FC Würzburger Kickers ist man mit Trainern, die wissen, wo sie herkommen, fast immer erfolgreich gewesen. Erinnert sei an den späten Herbst des Jahres 1975 als ein junger Trainer (Richard Saller, 29 Jahre) aus dem idyllischen, kaum auffindbaren Tauberrettersheim zum großen, aber vom Abstieg bedrohten Bayernligisten an den Dallenberg kam, um zunächst unseren Kickers den Klassenerhalt und eine Saison später die Meisterschaft mitsamt Aufstieg in die 2. Bundesliga Süd bescherte. Oder denken wir an „Coach“ Michael Schaudt (Schollbrunn), „Mambo“ Mauder (Röthlein) und an Dieter Wirsching (Stammheim). Allesamt bodenständige und vielleicht deswegen erfolgreiche Kickers-Trainer.

Michael Schiele habe ich nach dem desolaten 0:5 gegen Wehen Wiesbaden beim Bier tief in die Augen geblickt, weil eben ein Badener einem Schwaben grundsätzlich tiefer in die Augen schaut, wie jedem anderen. Mir gingen selbstverständlich Fragen durch den Kopf: „Hat der genug Feuer, um den laschen Haufen auf Vordermann zu bringen?“ „Ist er gradlinig und nicht abgehoben?“ „Hat er die notwendige Autorität?“ Kann er Spieler und Fans erreichen?“ Fazit: Ja, Michael Schiele kann mit der Mannschaft den Verbleib in der 3. Liga schaffen! Die Entscheidung ihn zum Cheftrainer zu befördern war richtig. Was für Kriterien dabei den Ausschlag gaben ist nicht wichtig. Es zählen einzig Ergebnisse! Und wie dringend wir die drei Siege in Folge gebraucht haben, zeigt uns die Tabelle. Sie zeigt uns auch, wie eng es in der 3. Liga zugeht und sich unsere Mannschaft, trotz der deutlich sichtbaren Leistungsverbesserung, nach wie vor im Abstiegskampf befindet.

Einem Schwaben ist das „Schaffe, Schaffe“ quasi als Lebensinhalt in die Wiege gelegt. Soweit ist mit Cheftrainer Schiele fast alles in Ordnung, wären da nicht seine dialektalen Eigenheiten, die uns jedes Mal eindrucksvoll aufs Neue, die schwäbische Botschaft „wir können alles außer Hochdeutsch“, so richtig deutlich vor Ohren führt. Sprachtraining? Eher nicht!  Als ausgewiesener und beurkundeter Badener weiß ich, Schwaben ändern sich nicht!

Cheftrainer Michael Schiele war auch beim Fußball-Lehrer-Lehrgang des DFB in der ersten Reihe. (Bild: DFB)

 

Kickers-Management by Potatoes

Fußball kann einem nicht nur immer wieder verwundern, sondern auch verwunden. Es gibt viele unter uns, die für ein Fußballspiel alles andere im Alltag unterordnen. Das ist zwar auf den ersten Blick nicht vernünftig, aber doch Ausdruck für die Behauptung, der Fußball sei für viele wahre Fans Religion. Und weil sich die Leistung der eigenen Fußballmannschaft tief in die Seele einbrennt, leidet der Kickers-Fan ganz besonders, wenn sich seine Mannschaft so abkochen lässt, wie am vergangenen Samstag gegen Wehen Wiesbaden.

Auch am Samstag zuvor beim Spiel Not gegen Elend im legendären Wildpark spazierten die Spieler auf dem Rasen umher, als suchten sie nach Lurchi dem Karlsruher Feuersalamander.

Kickers-Management by Potatoes

„Rein in die Kartoffeln – raus aus den Kartoffeln“, so kommt einem das Kickers-Fußball-Management vor. Alles muss schnell gehen! Zuerst volle Kanne durch die Regionalliga, dann zack in die 3. Liga und sogleich in die 2. Liga aufsteigen, um ein halbes Jahr später nach einem furiosen 3:0 Sieg gegen den VfB Stuttgart wenigstens von Weihnachten 2016 bis Februar 2017 vom Aufstieg in die 1. Bundesliga zu träumen.
Auf „Bernd den Allmächtigen“ folgte „Daniel der Handballer“, der alle Führungsfunktionen in Personalunion (Vorstandsvorsitzender der Kickers AG, Sportdirektor, Präsident des Kickers e. V.) auf sich vereint.
Und seither sieht es so aus, als möchte man ebenso mit Volldampf, den gleichen Weg zurückgehen, den man gekommen ist.

„Ich werde in der ersten Liga trainieren, das ist Fakt.“

Die Gesetzmäßigkeit des Fußballs verlangt nach einem Schuldigen für die sportliche Misere. Mit Cheftrainer Stephan Schmidt wurde schnell das schwächste Glied in der Kette gefunden und freigestellt. Schmidt ist kein Bauernopfer! Er befindet sich im großen Kreis derer, die glauben, sie hätten das Zeug dazu, um im Fußballsport ein ganz Großer zu werden. „Ich werde in der ersten Liga trainieren, das ist Fakt“, sagt Schmidt zu Beginn des Films „Trainer“  und belegt mit diesem einem Satz seine Selbstüberschätzung. Und wie das so ist mit Leuten, die ihr eigenes Können überschätzen (kognitive Verzerrung), treffen sie oft auf ihresgleichen. Entstehen daraus Bündnisse, so wird eines Tages derjenige gehen müssen, dessen Status in der Hierarchie untergeordnet ist. Im Klartext: Ober sticht unter!

„Wolfgangs sportliche Klasse ist ebenso unbestritten wie seine Führungsqualitäten.“ (Zitat Daniel Sauer)

„Huhuhaha – ich möchte schreien!“ Wie konnte man bei der Verpflichtung eines Nachfolgers für unseren „Wulle“ so daneben liegen? Robert Wulnikowski war stets mehr als nur Torwart. Er war ein Garant für Siegeswillen und dazu einer, der immer alles für den Erfolg der Mannschaft gegeben hat. Wie kann ein Sportdirektor auf den Gedanken kommen, Wolfgang Hesl verfüge über Führungsqualitäten? Der Mann steht mit einer Ausstrahlung im Tor, als gehöre er gar nicht zu dieser Mannschaft.
Und mal ganz ehrlich: Was sind das für Spieler, die es sich erlauben in unserem ehrwürdigen Kickers-Trikot wie Angehörige einer Betriebsmannschaft aufzulaufen? Nach welchen Kriterien, wenn es denn überhaupt welche gab, wurde dieser Kader zusammengestellt?

Daniel Sauer: „Wir sind fest davon überzeugt, dass Michael die dringend benötigte sportliche Wende herbeiführen wird.“

Einer der bisherigen Co-Trainer soll es nun also richten. Da stellt sich mir natürlich die Frage, was hat Michael Schiele als Co-Trainer von Stephan Schmidt und danach als Interimstrainer bisher nicht geleistet, was er jetzt als Cheftrainer leisten soll? Bis jetzt konnte er noch keinen einzigen Sieg, nicht einmal ein Unentschieden verbuchen.

Bilanz der letzten 3 Spiele unter Trainer Michael Schiele:
0 Punkte, 0 Tore, 9 Gegentore
Nach 13 Spielen: 19. Tabellenplatz mit 10 Punkten und 13:26 Toren

Randersacker, 12.10.2017, Bild Main Post, Trainer Michael Schiele

Freilich ist er ein offener, freundlicher und sympathischer Typ! Entscheidend ist aber, dass er über die notwendige Autorität verfügt, um diese Mannschaft, in der offenbar die Chemie nicht stimmt, in den Griff zu bekommen. An Mut scheint es Michael Schiele nicht zu fehlen. Packt er den Klassenerhalt, dann hat er seine Chance genutzt. Steigt er mit der Mannschaft ab, dann ist nicht nur der Cheftrainer Kickers-Geschichte.

 

Kommt endlich hoch!

In unserem Fußballclub von 1907 herrschte noch nie zufriedenes Mittelmaß. Wer von einem ausgeglichenen, weniger nervenaufreibenden Tabellenplatz träumt, der muss sich einen anderen Verein, vielleicht auch gleich eine andere Stadt suchen. Was Kickers ausmacht, weiß keiner, der nur ins Stadion geht, um ein Fußballspiel anzuschauen. Auch wissen diejenigen, die oft leichtfertig, aber dafür umso redseliger vorgeben, sie wüssten über das Innenleben der Kickers Bescheid, rein gar nichts. Und wer glaubt, er oder sie, seien Kickers, weil er oder sie auf der Geschäftsstelle einer Tätigkeit nachgeht, irrt gewaltig.
Spieler, die mit unserem FWK-Emblem auf der Brust auflaufen, um hier am „Dalle“ ihren Job zu machen, haben nichts verstanden. Nur zum Jobben zu gehen reicht nicht aus!
Die Einstellung von der Vorstandschaft, der Beschäftigten auf der Geschäftsstelle und derer, die sich Profifußballer nennen, muss sich deutlich ändern. Ihr alle habt nämlich den desolaten Niedergang aus der 2. Bundesliga und nun auch noch den drohenden Abstieg aus der 3. Liga zu verantworten. Ihr alle müsst dringend den Wandel vom Jobben zur harten Arbeit vollziehen.

„Wenn wir wüssten, was wir wissen“
Die Beurlaubung von Trainer Stephan Schmidt war logisch, obwohl sie nur der halben Konsequenz entspricht. Vollständig konsequent wäre, wenn der sportliche Leiter, endlich einsehen würde, dass er nicht über die Fachkompetenz eines Sportdirektors verfügt und diese entscheidend wichtige Funktion in professionelle Hände übergibt.
Die Ämterhäufung Präsident des e. V., Vorstandsvorsitzender der AG und Sportdirektor ist weder gut für das Innenverhältnis noch für die Außenwirkung. Hier bedarf es dringender personeller Veränderungen! Auch versteht es weder die Vereins- noch die AG-Führung, vorhandene Wissens-Ressourcen einzelner Mitglieder im Sinne eines Knowledge-Managements, geschweige deren Netzwerke, zu nutzen. Der Spruch von „wenn wir wüssten, was wir wissen“ trifft hier den Nagel auf den Kopf.

Der Zuschauerrückgang hat seine Ursache nicht nur in der mäßigen fußballerischen Darbietung. Er hat auch etwas mit dem unsäglichen Kommunikationsverhalten der zuständigen Mitarbeiterin auf der Geschäftsstelle zu tun. Vier bis fünf Telefonanrufe bedarf es, um überhaupt Gehör zu finden. „Ja Saisonkarten gibt es jetzt keine mehr. Sie haben die Frist versäumt!“ Die Folgen sind mit einem Blick über die Zuschauerränge sichtbar. Mich stört es, dass einige treue „Giggersle“ aus Verärgerung nicht mehr zu den Spielen kommen.

Und wenn ich schon beim Thema bin, so sollten die Jobberinnen und Jobber auch wissen, wer bei den Kickers besondere Verdienste erworben hat. Selbst der große FC Bayern München hat auf seiner Homepage blitzsauber alle Ehrenpräsidenten aufgelistet. Als ich einmal das Thema bei einem Verantwortlichen angesprochen habe, erhielt ich, „das ist doch Old School“, zur Antwort. Wenn wir in die Regionalliga absteigen sollten, dann möchte ich sehen, wer von der „New School“ den Laden am Laufen hält?

Klartext für die 3. Ligaprofis
Nix Political Correctness! Heute ist Klartext angesagt! Profis wollt ihr sein? Wer hat Euch das eingeredet? Die einzigen Profis, die das Kickers-Trikot verdienen, sind Sebastian Neumann, „Taffi“, „Wulle“ und Lamine Moise Cissé. Wenn ich sehe, was ihr als Profifußballer abliefert, dann spüre ich, dass ihr hier im heimischen „Dalle“ nur jobbt, aber nicht kämpft. Und egal, was Euch die lizenzierten Strategie-Fußballlehrer erzählen: Fußball ist trotz New School ein Kampfspiel geblieben!

Wurst schießt auch keine Tore
Euer Veganer-Fußball geht mir so etwas von auf den Sack, das glaubt ihr gar nicht. Und damit wir uns nicht falsch verstehen, ich habe nichts gegen Veganer, wegen mir kann sich jeder so ernähren, wie er möchte. Außerdem schießt Wurst auch keine Tore, wie wir in der vergangenen 2. Bundesliga-Rückrunde erkennen mussten.
Aber für Euer Spiel ist mir die übliche Bezeichnung Weicheier zu billig. Ich vermute fast, ihr vermeidet solche „üblen“ Wörter wie Blutgrätsche, Wadenbein und Torschuss, weil ihr wollt, nicht durch eine aggressive Umgangssprache, geschweige Spielweise auffallen. Dennoch habt ihr es auch in der Fair-Play-Tabelle ziemlich nah an einen Abstiegsplatz gebracht.
22 Gelbe Karten, eine gelbrote und zwei Rote Karten sind Ausdruck Eures über weite Strecken hinaus gehenden hilflosen Gekickes.

Kommt endlich hoch!
Sollte ihr das hier lesen, so merkt ihr bestimmt, dass ihr noch ganz unten vor dem Dallenberg steht und offenbar nicht wisst, wie ihr hochkommen sollt und wo der Eingang ist. Klar, wenn man mit dem Kickers-Bus hochgefahren und nach dem Spiel runtergefahren wird, dann kann man nicht die Bedeutung des „Dalle“ kennenlernen, geschweige verinnerlichen. Und ich befürchte fast, dass Euch nicht einmal der Sportdirektor klar gemacht hat, was es mit der Heimat der Kickers, sprich dem „Dalle“ auf sich hat. Das Kickers-Stadion ist nicht einfach ein Arbeitsplatz, an dem man alle 14 Tage ein Trikot anzieht, um 90 bis 95 Minuten zu jobben. Also seht zu, dass ihr endlich hochkommt!